Die Wahrheit, die niemand hören will.
Es ist eine besonders perfide Heuchelei: Mit der Moralkeule im Anschlag fallen SPD und Grüne über Bundespräsident Köhler her. Ein Kriegstreiber sei der, zetern sie - und liegen damit mächtig daneben.
Ob bewusst oder unbewusst: Horst Köhler wollte nur mehr Ehrlichkeit in die Politik bringen. Und das lässt man ihn nicht. Haben unsere Politiker etwa Angst vor der eigenen Bevölkerung?
Worum geht es eigentlich in Afghanistan?
Es geht weder um Brunnenbau, noch um afghanische Schulmädchen, noch um Menschenrechte und westliche Werte, auch nicht um Taliban oder Terrorismus oder die Sicherheit Deutschlands.
Was in Afghanistan erobert oder verteidigt wird, ist die Weltmachtstellung der USA mitsamt der an ihnen machtpolitisch, geopolitisch dranhängenden deutschen Eliten.
Das Große Spiel in Asien.
Die Truppen werden vermutlich erstmal bleiben. Obwohl die USA einige Rückschläge in Zentralasien haben hinnehmen müssen.
So zum Beispiel hat China innerhalb kürzester Zeit eine neue Pipeline, 1800 Kilometern lang, von Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan bis nach China gebaut. Turkmenistan liefert jetzt jährlich 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas an China, Vertragslaufzeit 30 Jahre. Öl und Gas aus Zentralasien fließen nicht mehr nach Westen, sondern nach Osten.
Die Pläne für die europäische Nabucco-Linie (Lobbyist: Joseph Fischer, der Grüne Ex-Oberboss und Verteidiger westlicher Werte) könnten nun Makulatur sein. Durch diese sollte Erdgas vom Kaspischen Meer durch die Türkei nach Europa fließen.
Außerdem hat sich China den Zugriff auf die afghanischen Kupfer- und Eisenerzvorkommen gesichert (Kupfer in Aynak, Eisenerz beim Hajigakpass).
Die Stationierung von US-Truppen und ihrer Alliierten hat also aus unmittelbar wirtschaftlicher Sicht einen Teil ihres geplanten Zwecks weitgehend eingebüßt. Zumindest schwinden die Aussichten. Die USA schützen zur Zeit vor allem chinesische Interessen - und indische, denn dieses Land wird von der Destabilisierung Pakistans durch die USA automatisch an Einfluss in der Region gewinnen.
Und durch den kürzliche Sturz des kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew, der 2005 durch die US-finanzierte "Tulpenrevolution" an die Macht gekommen war, schwimmen den Amis weitere Felle davon, auch wenn die USA voraussichtlich ihre dortige Basis Manas, für die sie hohe Pacht zahlen, erstmal behalten dürfen.
Im November 2005 mussten sie bereits ihre Basis Karshi-Khanabad in Usbekistan räumen, Donald Rumsfeld tobte.
Auch der von ihnen durch die "orange Revolution" an die Macht gebrachte ukrainische Präsident Juschtschenko ist abgewählt. Damit sehen ihre inszenierten Farben- und Blumenrevolutionen im Machtbereich der früheren Sowjetunion ziemlich verwelkt aus.
Die Gewinnchancen im Großen Spiel in Asien für die USA sind also gesunken. An der Stationierung von US-Truppen und ihrer Alliierten in Afghanistan wird trotzdem festgehalten, denn nach wie vor gilt die Brzezinski-Doktrin von 1997: Das große Schachbrett. Mit dem Ziel der Kontrolle des zentralasiatischen Raumes, um WELTMACHT zu bleiben:
- Wegen der Rohstoffe Zentralasiens und deren Kontrolle.
- Wegen der geopolitischen Bedeutung dieses Raumes, um Russland, China und Iran in Schach und von einem Bündnis abhalten zu können.
Es steht viel auf dem Spiel: Im Fall des Nichtgelingens ist die politische Macht Washingtons ernstlich in Gefahr. Die militärische und politische Macht der USA ist die letzte Stütze der Stärke des Dollars.
Nachdem man die Wirtschaft dieses Landes weitgehend de-industrialisiert hat, ist man zur Aufrechterhaltung der Machtposition nach sehr langer Zeit wieder zu einer Politik der sogenannten ursprünglichen Akkumulation, sprich Ressourcenkriege zurückgekehrt.
Und ohne die Führungsmacht USA, um die Bresche zu schlagen, können die Wirtschaftsmächte Frankreich, England, Deutschland die westliche Dominanz, also ihre eigene, besser gesagt die ihrer Eliten, in der Welt vergessen. Man wird in Berlin also alles daran setzen, die Stellung zu halten.
Auf die Volksmeinung nehmen die Politiker daher dabei keine Rücksicht, egal ob der eigentliche Grund genannt oder weiter nur Märchen erzählt werden. Aber immerhin sollte die Bevölkerung wissen, was los ist.
Von Onzapintada (ein Leserkommentar beim Stern-Online).


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