Liberalisierungsmusterland Neuseeland. Was ist daraus geworden?
Man hat lange nichts mehr davon gehört, aber können Sie sich noch daran erinnern, als Neuseeland ständig in der Presse war: Das Musterland für gelungene Reformen, für vollständige Privatisierung, die schöne, neue Welt, in der alles effizient, selbstverantwortlich und vor allen privat besser läuft?
Neuseeland als "gelobtes Land" der Liberalisierung und Privatisierung! Ich selbst war davon überzeugt, das ist der Weg. Wäre es nicht schön, wenn es in Deutschland auch möglich wäre?
Heute weiß ich es besser: Privatisierungen führen ausnahmslos zu einem drastisch schlechteren Angebot bei beispielslos höheren Kosten.
Die frühere Ministerpräsidentin Clark, die das Land von diesem Kurs wieder abbrachte, bezeichnete die Folgen der Privatisierung als Desaster:
- Zum Beispiel die Privatisierung der Eisenbahn und auch der Fluggesellschaft. Wir mussten beide in den letzten fünf Jahren zurückkaufen, sonst hätte Neuseeland weder das eine noch das andere.
- In der Telekommunikation wurde aus dem Staatsmonopol ein Privatmonopol, das Mitbewerbern den Zugang verwehren konnte (Telekom?). Wir haben große Mühe, das zu korrigieren.
- Die privaten Energiekonzerne haben über Jahre hinweg nur den Profit abgezogen und weder in Instandhaltung noch Erneuerung des Netzes investiert (hallo RWE und Konsorten).
- Ähnlich erfolglos war der Verkauf der Banken: der Postbank und auch der Bank of New Zealand.
- Es gibt heute keine neuseeländische Bank von Rang mehr, die meisten sind in australischer Hand. Und weil diese Großbanken kein Interesse am kleinen Mann haben, konnte man in manchen Städten jahrelang kein Konto mehr eröffnen. Die Regierung musste auch da einspringen und hat in den Postfilialen eine Bank eingerichtet.
Dass angesichts der beginnenden Finanzkrise und schlechter Konjunkturaussichten ausgerechnet der ehemalige Investmentbanker John Key (Schwerpunkt Währungshandel) Clark dann ablöste ist ein besonderer Witz.


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