Schuld sind die Deutschen.
Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien kriseln und mit ihnen der Euro. In Euroland werden die geldpolitischen Fehler der Dreißiger Jahre wiederholt.
Euroland ist in Aufruhr, die Schuldigen sind gefunden. Die Griechen, aber auch die Spanier, Portugiesen, Iren und selbstverständlich die Italiener, haben über ihre Verhältnisse gelebt. Nun müssen sie jetzt dafür büssen. Vor allem die Hellenen haben es ganz doll getrieben. Und dieses Mal sind die Deutschen nicht mehr gewillt, einfach das Portemonnaie zu öffnen und für den Schaden aufzukommen. Den verantwortungslosen Südländern muss endlich eine Lektion erteilt werden. Finden Sie nicht auch?
Wenn es bloß so einfach wäre. Euroland ist der Sieg politischer Macht über ökonomischen Verstand. Schon bei der Entstehung warnten viele Experten, dass die Einheitswährung früher oder später zu massiven Problemen führen werde. Zu eng sei das Korsett für die sehr unterschiedlich strukturierten Volkswirtschaften.
Es waren vorwiegend angelsächsische Ökonomen, die diese Warnungen ausgesprochen haben. Die USA und Großbritannien sind keine Euroländer, folglich wurden die Warnungen in den Wind geschlagen. Zu den Ignoranten gehörte auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, ein brillanter Machtpolitiker mit einem kleinen Handicap: Er hatte keine Ahnung von Wirtschaft – und er war sogar noch stolz darauf. Das sollte sich rächen.
Frankreich die Politik, Deutschland die Wirtschaft.
In Euroland herrschte von Anfang an eine klare Arbeitsteilung: In der Politik führt die ehemalige Grande Nation Frankreich das große Wort, in der Europäischen Zentralbank (EZB) hingegen haben die Deutschen das Sagen. Das gilt selbst dann, wenn ein Franzose der Chef ist. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ist preußischer als die Preußen und setzt mit Überzeugung die Geldpolitik der ehemaligen Bundesbank fort.
Diese Politik ist nach wie vor geprägt vom Wunsch nach einer harten Währung, schließlich war die D-Mark zusammen mit der Nationalelf der große Stolz der lange gedemütigten Deutschen.
Die Deutschen haben ihre eigene bittere Medizin brav geschluckt. Als die Nation wegen der hohen Kosten der Wiedervereinigung in Schwierigkeiten geriet, wurde gespart, bis es quietschte.
Während die Löhne in Euroland stiegen, stagnierten die Einkommen der deutschen Arbeitnehmer nicht nur, sie fielen real sogar leicht. Das schien sich auszuzahlen, Deutschland wurde Exportweltmeister.
Eine Katastrophe.
Exportweltmeister (oder neuerdings hinter China Vize-Weltmeister) zu sein mag gut sein für das deutsche Ego. Für die europäische Volkswirtschaft ist es eine Katastrophe. Die Deutschen haben die EU-Konkurrenz aus dem Markt gespart. Sie verdienen weniger, konsumieren folgerichtig auch weniger und sind nicht mehr die Konjunkturlokomotive von einst.
Mit ihren Exporterfolgen haben sie den Euro zu einem Teuro gemacht, zu einer sehr harten Währung wie einst die D-Mark. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen, spanischen, portugiesischen und italienischen Wirtschaft nicht – zumal China dafür sorgt, dass der Renminbi weich bleibt und der Dollar sich bekanntlich auch nicht gerade auf einem Höhenflug befindet.
Das eigentliche Problem in Euroland sind also nicht so sehr die Südländer, sondern die Deutschen. Sie haben mit ihrer Sparwut das System aus dem Gleichgewicht gebracht und mit dem Euro dafür gesorgt, dass dieses System nicht mehr flexibel darauf reagieren kann.
Das britische Pfund und der Dollar haben seit dem Herbst 2008 gegenüber dem Euro massiv an Wert eingebüsst und haben so der englischen, respektive amerikanischen Wirtschaft zu mehr Wettbewerbsfähigkeit verholfen. Euroland hingegen bleibt eingezwängt ins starre Konzept der Einheitswährung, obwohl die PIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) – so nennt man die Südländer neuerdings – dringend auf eine Abwertung ihrer Währung angewiesen wären.
Wiederholung der 30er-Jahre.
In Euroland wiederholt sich so die Situation der Dreißiger Jahre. Damals waren die wichtigsten Industrieländer an den Goldstandard gekettet. Die Wirkung war ähnlich wie das Euro-Korsett von heute. Auch damals gaben die Angelsachsen als Erste den Goldstandard zugunsten einer flexiblen Währung preis.
Heute sorgt die EZB mit ihrer harten Geldpolitik für einen stabilen Teuro, obwohl sie im Interesse eines Aufschwungs der Wirtschaft mehr Inflation zulassen müsste.
Den betroffenen Ländern bleibt daher nur ein Ausweg: Sparen und Leute entlassen. Wie lange das gut geht, bleibt abzuwarten. Der Einzige, der eine solche Politik im 20. Jahrhundert konsequent durchsetzen konnte, war Benito Mussolini. Kein gutes Omen.
Von Philipp Löpfe.
Quelle: http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Schuld-sind-die-Deutschen/stor...
Passend dazu: Westerwelle will Armutslöhne!
Die Lehren aus der Hartz-Debatte müssten lauten: Weg mit der sozialpolitischen Sanktionspraxis! Her mit einem flächendeckenden Mindestlohn!
Die Sozialgesetzgebung macht eine freie Entscheidung unmöglich. Schließlich wird ein Leistungsempfänger empfindlich bestraft, wenn er ein Angebot aus dem Niedriglohnsektor ablehnt.
Warum sollte dann ein Arbeitgeber, der die Marktmacht hat, Niedriglöhne durchzusetzen, höhere Löhne bezahlen?
Die Ämter sorgen schließlich mit ihrer Bestrafungspraxis für einen nimmer versiegen wollenden Nachschub aus dem Heer der Erwerbslosen.
Wenn die Sanktionierungsmöglichkeiten, die einen elementaren Kern der Hartz-Gesetze darstellen, nicht abgeschafft werden, wird sich auf lange Sicht nie ein nennenswerter Lohnabstand herstellen lassen.
Wenn es nach FDP-Chef Westerwelle ginge und der Hartz-Regelsatz abgesenkt würde, könnten die Arbeitgeber im Niedriglohnsektor ganz einfach ihre Löhne abermals drücken.
Wer diese Abwärtsspirale durchbrechen will, kommt um einen flächendeckenden Mindestlohn nicht anders herum.


Rudolf Hickel: Dynamitpreise für Ökonomen.
Greenspan, Friedman, Summers – die Ökonomen eint ihr emsiger Beitrag zur fast gelungenen Sprengung der Weltwirtschaft. Es gibt auch Kandidaten in Deutschland. Der Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel nennt sie.
Wolfgang Franz, Vorsitzender des "Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung", hat mit seiner Beratung dazu beigetragen, die Sprengkraft der Finanzmarktkräfte systematisch zu unterschätzen. Dies ist die Ursache für die dramatische Fehlprognose angesichts des ökonomischen Absturzes 2009.
Dazu gehört auch die Forderung nach einer Absenkung der Hartz IV-Sätze unter das Existenzminimum, mit der die Schleusen für ein Lohndumping weiter geöffnet würden.
Bert Rürup hat mit seinem Einsatz für den Abbau der staatlichen sozialen Alterssicherung zugunsten einer stärkeren privaten Kapitalvorsorge die Abhängigkeit vieler Menschen von krisenerzeugenden Kapitalmärkten erhöht, und damit trägt er die Verantwortung für die daraus möglicherweise entstehende Altersarmut.
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=235922...
Lohndumping im Auftrag des Staates.
Jeder zehnte Hartz-IV-Aufstocker arbeitet im öffentlichen Dienst. Nicht Lidl und Co., sondern der Staat ist der größte Lohndrücker im Lande.
Die Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst sind am Wochenende ohne ein wirklich befriedigendes Ergebnis für die Beschäftigten beendet worden. 1,15% Lohnsteigerung pro Jahr entsprechen noch nicht einmal dem Inflationsausgleich und sind de facto eine Reallohnkürzung.
Doch viele Beschäftigte im öffentlichen Sektor wären bereits zufrieden, wenn sie überhaupt im Rahmen eines der Tarifverträge beschäftigt werden, die sich an den Löhnen im Öffentlichen Dienst orientieren.
Der Staat ist Arbeitgeber mit einem Dreiklassen-System: An erster Stelle stehen die Beamten, geschützt vor Kündigung, ordentlich entlohnt und mit allen Rechten, die ein Mitarbeiter haben kann.
An zweiter Stelle kommen die regulären Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die häufig auch bei Trägern mit privatrechtlicher Struktur eingestellt sind.
Besitzen sie noch einen "Altvertrag", genießen sie meist auch noch einen guten Kündigungsschutz, der Verdienst ist jedoch vergleichsweise bescheiden und stets steht der Absturz in die unterste Gruppe in der Hackordnung des Öffentlichen Dienstes bevor.
Ganz unten sind die prekären Beschäftigungsverhältnisse, meist nur mit Zeitvertrag, oft bei einer Leiharbeitsfirma, die im Auftrag des Staates das Lohnniveau nach unten drückt, ohne nennenswerte Arbeitnehmerrechte.
Hire and Fire und Minilöhne im Namen des Staates.
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32175/1.html
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