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Paul
Zooot Fanatiker
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Wir erleben seit Jahren einen Zuwachs an Public Relations und einen wachsenden Einfluss dieser professionellen Meinungsmache auf die Arbeit von Redaktionen.

Dabei ist Public Relations-Arbeit oft getarnt. Die Interessen werden hinter Instituten und ThinkTanks versteckt, wie Wolfgang Lieb gerade gestern belegt hat.

Der Noch-Chefredakteur des ZDF Brender hat gerade in einem Spiegel Interview beklagt, dass es in seinem Sender Zuträger der Parteien gibt, die teilweise wie Spitzel agieren. Das ist sicher ein richtiger Hinweis. Aber das ist weniger als die halbe Wahrheit. Zum Beispiel hätte Nicolaus Brender dies als Chefredakteur schon abstellen können.

Er hat aber zum Beispiel die aggressive Kampagne des ihm unterstellten Hauptstadtstudioleiters Peter Frey gegen Oskar Lafontaine ohne Kommentar hingenommen.

Noch gravierender als der Einfluss der Parteien ist der Einfluss der großen Interessen, der Wirtschaft insgesamt und einzelner Wirtschaftszweige. Was hat der Chefredakteur des ZDF nicht alles an PR-gesteuerten Sendungen pro Privatvorsorge zugelassen? Und waves nicht alles in Sachen Westerwelle – siehe oben?

Der Einfluss der Oberschicht, der Wirtschaft, der neoliberalen Ideologie und großer Interessen insgesamt auf die Medien, direkt oder über Public Relations-Agenturen, ist mindestens so schrecklich wie der Einfluss der Parteien. Einziger Unterschied: der Einfluss der Parteien ist sichtbar und ablesbar an den Freundeskreisen der Parteien in den Fernsehräten.

Redakteure, die sich dem Einfluss von PR Agenturen und großen Interessen entziehen, haben es vermutlich sehr schwer. Die Journalisten, die sich in Kampagnen einbauen lassen, haben den Vorteil, dass ihnen von außen zugearbeitet wird, mit vorformulierten Beiträgen oder mit Fakten.

Sie können also sehr viel schneller arbeiten und scheinbar produktiver als jene Journalisten, die korrekt arbeiten und nicht in Interessen eingebunden sind. Ein Journalist, der mit dem Institut der deutschen Wirtschaft und seinen Direktor Michael Hüther verbunden ist oder mit dem DIW des Professor Zimmermann oder dem ZEW des Professor Franz oder dem IFO-Institut des Professor Sinn, hat es um vieles leichter, an Material heranzukommen als der anständige unabhängige Journalist.

Die Fälle sind ja aus der Praxis bekannt: als Gabor Steingart Chef des Spiegelbüros in Berlin war, hatte er direkten und ständigen Zugang zur Forschungsabteilung der Deutschen Bank, über Norbert Walter von DB Research. Er hat davon für seine redaktionelle Arbeit und für das Schreiben seiner Bücher profitiert und sich dort sogar bei den Kollegen von der Deutschen Bank bedankt.

Es wäre ganz gut, wenn sich jene Kolleginnen und Kollegen aus den Redaktionen, die nicht in Kampagnen einbezogen sind, zu Wort melden würden. Die Intervention von Brender alleine reicht nicht. Sie verstärkt nur die Fixierung auf den Parteien-Einfluss und baut damit einen Paravent auf, hinter dem sich die viel größeren und wirksameren anderen Interessen verstecken können.

Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=4568

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