Zum Tod unserer Demokratie.
In tiefer Trauer:
Demokratie
* 4. Jahrhundert v.Chr. † 25.11.2000, Kyoto
Unsere geliebte Demokratie ist von uns geschieden. Nicht plötzlich, nicht unerwartet, sondern langsam und schleichend. Zu stark war die Belastung durch Lobbyisten und Industrie, zu schwach die Unterstützung durch Volk und Wähler. Die Stimmen der Einzelnen vermochten nicht, die Demokratie gegen die organisierte Manipulation durch den Lobbyismus der Industrie zu bewahren.
Den Verlockungen des Geldes unterlegen, erlag die Demokratie dem Verdruss der Wähler, die den Glauben verloren. Den Glauben an ein System, in den ein Bediensteter der Ölindustrie das höchste Amt der mächtigsten Nation der Welt erkaufen kann, um sich wenig später in Kyoto zum Lakaien selbiger Industrie zu machen.
Vielleicht wird die Demokratie eines Tages wiedergeboren. In einer Welt, in der Lobbyismus verboten, Parteispenden verpönt und der Kauf von Abgeordneten nicht möglich sind. In einer Welt, in der die Politik und die industrielle Macht des Geldes wirksam getrennt sind.
In einer Welt, in der Wähler entscheiden, und sich die Konzerne an diese Entscheidungen halten, anstatt sie durch den Fluss von Geld nach ihren Wünschen zu biegen. Dann werden auch die Wähler endlich wieder glauben können.
An die Demokratie.
P.S. Wir danken den willigen Sterbehelfern: Exxon, GM, Ford, BASF, BP, Krupp und allen Banken.




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